Xing und Co. richtig nutzen

Mike Swat - CEO of SEO - Internet | XING

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Jeder kennt jeden über sieben Ecken“ – das ist nicht nur so dahingesagt. „Small-World-Phänomen“ wird es auch genannt. Und die Kunst besteht eben darin, über seine Bekannten die richtigen Kontakte zu knüpfen. Soziale Online-Netzwerke sollen das deutlich leichter machen – auch in beruflicher Hinsicht lässt sich davon profitieren.

Viele scheuen sich noch, am Arbeitsplatz in soziale Netzwerke zu gehen, weil dem etwas Privates anhaftet„, sagt Wolfgang Hünnekens, Dozent an der Universität St. Gallen. Dabei gibt es Vorteile, die auf der Hand liegen. Bekannte Netzwerke, die sich das Knüpfen beruflicher Kontakte auf die Fahnen geschrieben haben, sind Linkedin und Xing. Viele Funktionen bleiben ungenutzt.

Xing ist wie ein Schweizer Offiziersmesser„, sagt Xing-Trainer Joachim Rumohr. „Viele haben eins, nutzen es aber nur als Brieföffner und Korkenzieher. Manche lassen es die meiste Zeit in der Schublade liegen.“ Es habe viele Funktionen, die kaum einer kennt. Genau wie Xing oder Linkedin: Für viele seien sie nur eine Adressdatenbank und dienten vor allem zur Pflege alter Kontakte.

Gruppen unterschätzt

Unterschätzt würden zum Beispiel die zahlreichen Gruppen, in denen Mitglieder sich austauschen können. „Auch wer zu speziellen Themen eine Frage stellt, bekommt dort oft in wenigen Minuten eine Antwort„, sagt Rumohr. Problemlos sei, auch nur eine Zeitlang Mitglied einer Gruppe zu sein. Ebenfalls unterschätzt werde die Suche in den eigenen Kontakten. „Man kann auch verschiedene Suchbegriffe kombinieren.

Das eigene Profil ist wie ein Schaufenster„, sagt Joachim Rumohr – damit lockt man Interessenten. „Aber die Schaufenstergestaltung ist oft schlecht. Entweder ist zu wenig zu sehen, oder alles ist durcheinander.“ Ganz falsch sei, das Schaufenster „von unten bis oben vollzuknallen„. Details gehörten besser auf die „Über-mich-Seite„.

Ein entscheidender erster Fehler ist oft das falsche Bild. „Ein Bild kommuniziert mit dem Betrachter„, sagt Rumohr. „Ich kann damit viel mitteilen über mich.“ Grundsätzlich sei ein Porträt am besten. Sich neben dem Eiffelturm ablichten zu lassen, bringt nichts: „Auf solchen Fotos bin ich dann überhaupt nicht mehr zu erkennen.

Exakte Selbstbeschreibung ist gefragt

Schlecht sei, unter „Ich suche“ und „Ich biete“ jeweils das Gleiche zu schreiben. Pauschale Angaben wie „Ich suche Auftraggeber“ seien ebenfalls wenig präzise. Am besten überlege man vorher, welche Angaben über Suchmaschinen gefunden werden können, empfiehlt Kommunikationstrainerin Caroline Krüll. „Und man sollte hin und wieder überprüfen, ob die Angaben noch aktuell sind.“ Eine gute Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu wecken, sei das Feld „Interessen„, sagt Krüll. „Ich selbst schaue auch immer darauf.Viele seien bei Angaben über sich selbst zu vage, kritisiert Rumohr: Statt „Tanzen“ sei „Tanzen, Tango und Flamenco“ genauer und aussagekräftiger, statt „Essen“ sagt „italienische Küche“ mehr aus.

Ein Business-Netzwerk lässt sich am besten mit Leuten aufbauen, die man schon kennt. „Ehemalige Kollegen, Schulfreunde“, empfiehlt Rumohr. „Ich kann auch mein Outlookverzeichnis abgleichen.“ Etwas Zeit in die Suche sollte schon investiert werden. Das Ziel ist allerdings nicht, so viele Kontakte wie möglich zu bekommen. „Zu viele können die Netzwerkidee verwässern“, warnt Rumohr. Statt so viele wie möglich sollte man so gezielt wie möglich Kontakte knüpfen. Rumohr rät, in erster Linie nur Leute ins Netzwerk aufzunehmen, zu denen man schon Kontakt hatte.

Typische Fehler

Überaktivität sei ein typischer Fehler, warnt Caroline Krüll: Beispielsweise sollten Kontakte nicht zu häufig angeschrieben werden. Auch Kontaktaufnahmen mit Sprüchen wie „Let’s netz“ seien unpassend. Andererseits sei es nicht gut, auf Mitteilungen gar nicht zu antworten. Wer weiß, dass er unterwegs ist und das Netzwerk nicht nutzen kann, sollte das gegenüber seinen Kontakten angeben.

Kontakte, die sich auf das Internet beschränken, sind aus Sicht von Joachim Rumohr nicht das Ideale: „Wenn Sie jemanden nur virtuell kennenlernen, entsteht kein Vertrauen„, sagt der Xing-Trainer. „Das Denken der Menschen ist noch nicht digitalisiert„, ergänzt Wolfgang Hünnekens. „Man braucht noch das persönliche Gespräch oder wenigstens den Kontakt am Telefon.Reale Treffen mit Kontaktpartnern aus Online-Netzwerken seien der richtige Weg. Genau das organisiert Rumohr bereits seit fünf Jahren. Das Interesse daran, das „virtuellen Netzwerk“ zu einem realen zu machen, scheint groß zu sein: „Zu den Events kommen zwischen 150 und 900 Leute.“

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